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Lichtkunst, und ihre Bedeutung in der modernen Gesellschaft

 

Die Lichtkunst hat in der heutigen Zeit eine zwiespältige Rolle.

In den sechziger Jahren erstmals von ihren Pionieren in die Kunstszene etabliert, heute mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt, und vielerorts sogar als 'Kitsch', oder reine Dekoration abgetan, ist Ihre Bedeutung als Mittlerin zwischen materieller und imaginärer Welt, so meine ich, noch immer kaum anerkannt.

Das mag unter anderem daran liegen, daß in der heutigen zivilisierten Welt, nur noch die schreienden Effekte zählen: Die Lautstärke, die höhere Wattzahl, der Besucherandrang, der Preis für ein Gemälde in Mio. etc.

Lichtkunst meint etwas anderes: Es geht um subtile Wahrnehmungsnuancen, um eine Schulung der Sinne, für normalerweise fast verborgene Phänomene. Das ist es, was Lichtkunst von oridinärer Dekoration z.B. in Discos unterscheidet.

Bei der Arbeit mit dem Medium Licht geht es mir von allen Dingen um eine experimentelle Herangehensweise und um die künstlerische Transzendenz.

Im Jahre 1999 beschäftigte ich mich ausgiebig mit der Farbenlehre von Johann Wolfgang von Goethe. Anlässlich seines 250. Geburtstages gestaltete ich eine begehbaren Raum in der Galerie am Marktschlösschen mit goetheschen Lichteffekten.

Später kam das Studium der Theorien von Isaac Newton und Philipp Otto Runge hinzu. Gerade die Natur der Farben und des Lichtes haben in der Geschichte immer wieder kontroverse Diskussionen augelöst. Selten waren sich zwei prominente Farbentheoretiker einig.

Die Beschäftigung mit diesen Theorien regte mich zu vielen Eigeninterpretationen an, ich stellte mir vor, wie würden diese Leute mit heutigen technischen Mitteln umgehen, um Ihre Ideen von dem Wesen der Farbe und des Lichtes zu veranschaulichen?

Dieser Überlegung entsprang auch die Idee der „farbigen Schatten“. Darüber hinaus beschäftigte ich mich neben den naturwissenschaftlichen und experimentellen Studien mit künsterischen Kriterien, der oben genannten Theorien.

Es ging mir dabei weniger darum, die objektive Richtigkeit der beschriebenen Phänomene herauszustellen und zu verteidigen, sondern eher um die Bereicherung meiner künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten.

Wir leben in einem technischen Zeitalter, und deswegen setzt sich meine Kunst mit den Auswirkungen des technischen Fortschritts auf Natur und Mensch auseinander.

Ähnlich wie in der fraktalen Geometrie ist auch in der Kunst keine Geradlinigkeit auszumachen und so ist man immer wieder von Neuem darauf angewiesen, sich auf Überraschungen einzustellen.

Die Selbstähnlichkeit, die uns in der fraktalen Geometrie begegnet, und auch überall in der Natur vorkommt, spielt meiner Meinung nach auch in der Kunst eine große Rolle.

© 2011 Istvan Seidel.