Umfrage
Richtigstellung zum Artikel vom 20.9. "Kunst zum Ausleben in der alten Likörfabrik"
Hier also passagenweise die Zitate aus dem Artikel und die jeweilige Richtigstellung dazu.
Das seit einem Jahr bezogene Wohnhaus in Könnern ist stark beschädigt; seine Frau liegt auf Grund der Geburt der Zwillinge im Krankenhaus - Istvan Seidel jedoch ist ruhig und gelassen in seinem Atelier anzutreffen, als wäre alles in bester Ordnung.
Abgesehen davon, dass das Privatangelegenheiten sind und ich mich dadurch im Persönlichkeitsrecht verletzt fühle, erweckt das den Eindruck, als wären mir meine Kinder, Frau und das zerstörte Haus egal, was nicht der Wahrheit entspricht. Ich kümmere mich sehr wohl um meine Kinder, meine Frau und das kaputte Haus, das kann meine Frau und die anderen Mieter dieses Hauses gerne bestätigen. Zudem sieht man schon am Eckzem im Gesicht, auf dem Foto, daß ich nicht ruhig und gelassen war.
Der aus Halle stammende Künstler nämlich öffnete am Samstag die Türen seines Künstlerateliers in der ehemaligen Könneraner Likörfabrik.
Zudem stammte ich nicht aus Halle, sondern aus Budapest, und auch ist das nicht meine Likörfabrik, sondern ich bin hier nur Mieter.
"Man muss sich ausleben können", erklärt Seidel.
Das habe ich so ganz sicher nicht gesagt. Auch nicht sinngemäß. Ich betrachte es als von Frau Nicklisch falsch verstanden. Im Gegenteil bin ich überhaupt nicht der Meinung, daß man sich ausleben MUSS. Das kann doch jeder halten wie er will. Man sollte sich nur nicht einbilden, das sich Ausleben hätte nicht seinen Preis. Der Preis ist sogar so hoch, daß die Mehrheit der Menschen berechtigter Weise die Finger davon lassen.
"Die Malerei ist viel freier als die Fotografie. Sie spiegelt spontane Emotionen wieder", schwärmt Seidel.
Das Wort "spiegeln" habe ich in dem Zusammenhang nicht verwendet, gemeint war, daß ich mit der Malerei Emotionen direkter umsetzen kann, wie beispielsweise mit Fotografie, ohne aber die Fotografie als solches abwerten zu wollen.
In seinem Malstil ist Seidel sehr vielfältig.
Auch ist mein Malstil nicht "vielfältig". Wer meint, der Seidel wäre ein Tausendsassa, der auf allen Hochzeiten tanzt, sieht nicht richtig hin. Im Moment ist mein Stil sehr konzentriert, aus den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten der bildenden Kunst sorgfältig ausgewählt und auf 3 Techniken reduziert: chinesische Tuschzeichnung, Ölmalerei kombiniert mit Tempera in eigenen Pigmentfarben, Schieferlichtgrafik. Wobei die Formensprache, die Ornamentik und Gestik stets die gleiche bleibt und es keinen derartigen Widerspruch wie etwa abstrakt oder gegenständlich gibt, sehr wohl aber einen zwischen einer lockeren und einer verkrampften Zeichnung. Kann ich dafür, daß ich mit der einen Technik an die Grenzen des Materials, die ich sehr genau auslote, stoße? Nein, ich habe nur einen Stil und der unterscheidet sich deutlich von dem anderer Künstler.
Beispielsweise eine zehnteilige Serie aus Ölgemälden mit dem Titel "Vom Leben bis zum Tod" stellt seine eigenen Lebenszyklen in abstrakter Form dar.
Der Titel der gemeinten Gemälde heißt "Lebenszyklus" und stellt Lebensphasen von der Geburt bis zum Tod dar, jedoch ausdrücklich nicht in abstrakter Form, sondern in gegenständlicher.
"Der Künstler stellt sich immer selbst dar", so Istvan Seidel.
Das habe ich so sicher nicht gesagt. Sondern, daß wenn ich etwas mit der Hand mache, sich dann meistens die eigene Handschrift einstellt, und in dem Bild lesbar wird. Es liest sich jedoch so, als würde ich die Künstler gemeinhin als "Selbstdarsteller" bezeichnen, was nicht stimmt.
Bei seinem Rundgang durch die Ausstellung weist er auf ein spezielles Werk hin, welches für den Laien wie wirres Gekritzel wirkt. "Wenn ich einmal gar keine Inspirationen habe, sieht das dann so aus. Hier war ich völlig verzweifelt", beschreibt er seine Stimmungslage in Verbindung mit jenem Bild.
Die Wortwahl "wirres Gekritzel" empfinde ich in Bezug auf meine Arbeit als abwertend, ich werte jedoch meine Arbeiten nicht selber ab, und habe diese Worte auch so nicht gebraucht. Gesagt habe ich, daß ich dank der spontanen Tuschzeichnung die Möglichkeit habe, negative Emotionen in ein brauchbares Bild umzuwandeln, ohne einen konkreten Gegenstand abbilden zu wollen.
Einer der Besucher seiner samstäglichen Ausstellung war sein Bekannter und teilweise auch Nachbar Georg Rosenthal. Der inzwischen in Köln lebende Künstler ist fasziniert vom Können des 38-jährigen Malers mit Ungarischen Wurzeln."Er hat noch einen steinigen Weg vor sich", so der erfahrene Maler. "Er experimentiert viel und sucht noch", meint Rosenthal. "Man lernt Kunst anders kennen, wenn man sie selbst macht", weiß dieser aus eigener Erfahrung.
Herr Professor Rosenthal ist ein in Könnern und Köln lebender Kunsttheoretiker und Vorsitzender der Bernburger Kulturstiftung, jedoch kein praktischer Künstler. Es kann zwar sein, daß diese 3 Sätze gefallen sind, jedoch in einem völlig anderem Sinnzusammenhang: Der erste Satz war (laut meiner nochmaligen Nachfrage an Prof. Rosenthal) auf den Kunstmarkt gemünzt, der 2. auf das praktische Werk, und der dritte auf die Kunst allgemein. Hier wird ein völlig falscher Eindruck von einem Urteil eines erfahrenden Künstlers erweckt, indem die 3 Sätze zusammenhanglos und somit widersprüchlich wiedergegeben sind.
Die Reihe ,Von der Geburt bis zum Tod' gefällt mir dabei besonders gut", so der Bernburger Hobbymaler Ernst Giskes.
Herr Giskes ist auch kein "Hobbymaler", es ist und ein großes Mysterium, woher Frau Nicklisch das nimmt. Gemeint ist auch wiederum die Bilderserie "Lebenszyklus".
Istvan Seidel jedenfalls hat noch jede Menge Visionen, die er in seinem lichtdurchfluteten Atelier verwirklichen will. Eine Art Kunstzentrum könnte sich der Maler in seinem Domizil vorstellen.
Nochmal, ich bin hier nur Mieter nicht der Besitzer, insofern ist es nicht "mein" Atelier. Die Besitzerin ist Frau Gastrich, wohnhaft in Bernburg, mit deren großzügiger Duldung ich hier meiner künstlerisch/gesellschaftlichen Arbeit nachgehen kann.
Eine Versicherung hatte die Familie dafür nicht.
Das ist ebenfalls falsch, richtig ist, dass unsere Hausratversicherung die im Garten zerstörten Geräte, sowie etwa 25 Lithografien und Arbeitsgerät, das bei dem Sturm beschädigt wurde, nicht übernimmt. Deswegen der Aufruf zur Spende.
Grundsätzlich fühle ich mich geehrt, daß ich innerhalb eines Jahres zum 3.mal in der Zeitung erscheine, das ist schonmal was wert, weiter so.
Jedoch sollte man nicht annehmen, daß weil die Kunst und die Künstler für unsere Gesellschaft eh nicht so wichtig sind, man über sie ungenau oder gar unzutreffend schreiben kann, weil man täte ja keinem damit weh. Das wäre ein Irrtum.
Denn eine Gesellschaft ohne Kunst und Künstler, -auch wenn sie scheinbar für viele keinen direkten Nutzen bringen-, wäre Visions- und damit trostlos.
Ich werde in einem Vortrag in Bernburg am 12.10., bei dem auch Professor Rosenthal reden wird, versuchen darzulegen, wie die Kunst der Menschheit dazu verholfen hat, zu überleben, während der Neanderthaler, der nach heutigem Wissen keine Kunst gemacht hat, bekanntlich ausgestorben ist.
Sehen Sie >hier die Impressionen von der Ausstellung<.