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Lichtkunst in ihrer Wahrnehmung

 

Haben Sie sich schon gewundert, weswegen Sie ein und das selbe Lichtkunstwerk bei einem mal bewundern,

beim nächsten Betrachten es aber öde aussieht? Das liegt nicht unbedingt an der mangelnden Qualität des Werkes, sondern vielmehr an unserer Wahrnehmung dessen.

Goethe sagte, einen Regenbogen sieht man nach einer viertel Stunde nicht mehr. Nicht etwa, weil dieser dann verschwunden wäre, nein, unsere Augen brauchen so lange, um das Phänomen der Attraktion zu begreifen.

Und in dem Moment, wo sie es begriffen haben, erscheint es für uns langweilig, wie fast alles, was unser Verstand für begriffen erklärt.

Lichtkunst aus Kunstlicht

Ganz besonders die Wahrnehmung der Lichtkunst hängt entscheidend von unserer Art und Weise, die Dinge zu begreifen ab, viel mehr noch als etwa Malerei, Grafik oder Bildhauerei, also die klassischen Medien der bildenden Kunst.

Denn die Farben, die wir in dem Lichtkunstwerk projiziert sehen, spielen mit unseren Emotionen auf direkter Weise und treten in Interaktion mit diesen.

Gerade unsere Emotionen sind aber sehr flüchtig, ja manchmal sogar unbegreiflich, aber keineswegs rational.

Haben Sie es schonmal erlebt, daß Sie auf einmal grundlos traurig waren, oder vor Freude fast in die Luft gegangen sind?

Sehen Sie, so ist es auch mit der Lichtkunst. Denn Sie baut auf die Emotionen, die Ihre Wechselwirkung mit dem Betrachter provoziert.

Und sie ist sehr wechselseitig, sprunghaft, überraschend, dramatisch und manchmal auch faszinierend, genau wie unsere Emotionen, die wir ja schließlich auch nicht steuern können.

Desshalb, grämen Sie sich nicht, wenn ein Lichtkunstwerk nicht Ihren Erwartungen gemäß aussieht, oder den versprochenen Reiz nicht weckt. Das wird es vielleicht ein andersmal.

Vielleicht wenn Sie gar nicht damit rechnen, oder mit etwas anderem beschäftigt sind.

Denn so ist der Mensch: Wenn er etwas krampfhaft versucht, dann klappt es meistens nicht. Entspannt er sich hingegen, und läßt es in Ruhe geschehen und gedeihen, dann passieren manchmal wahre Wunder.

© 2011 Istvan Seidel.